
Was die Gesamtheit aller im Darm lebenden Mikroorganismen regelt
Zürich, den 21.07.2026: Der Darm ist weit mehr als ein Verdauungsorgan. Das sogenannte Mikrobiom – die Gesamtheit aller im Darm lebenden Mikroorganismen – beeinflusst das Immunsystem, den Stoffwechsel und sogar die psychische Gesundheit. Darauf weist Prof. Dr. med. Joachim C. Mertens, FEBGH, Facharzt für Gastroenterologie mit Schwerpunkt Hepatologie am GastroZentrum der Klinik Hirslanden in Zürich, hin.
PRIMO MEDICO Mitglied Prof. Dr. med. Joachim C. Mertens ist Facharzt für Gastroenterologie mit Schwerpunkt Hepatologie sowie für Allgemeine Innere Medizin am GastroZentrum der Klinik Hirslanden in Zürich. Sein Schwerpunkt liegt in der Diagnostik und Therapie komplexer Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sowie der Leber. Er verbindet moderne evidenzbasierte Medizin mit einer ganzheitlichen Betreuung seiner Patientinnen und Patienten.
Unterschätztes Organ: Könnte der Darm der Schlüssel zur Gesundheit sein?
Nach Angaben von Prof. Dr. Mertens ist das Mikrobiom jedes Menschen so individuell wie ein Fingerabdruck. Es wiegt etwa eineinhalb bis zwei Kilogramm und übernimmt zentrale Aufgaben für die Gesundheit. Die Milliarden von Bakterien im Darm unterstützen nicht nur die Verdauung und die Produktion bestimmter Vitamine, sondern trainieren auch das Immunsystem und schützen den Körper vor Krankheitserregern.
Gerät dieses empfindliche Gleichgewicht aus der Balance – in der Fachsprache als Dysbiose bezeichnet – dies langfristige gesundheitliche Folgen haben. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen Zusammenhänge zwischen einer veränderten Zusammensetzung der Darmbakterien und entzündlichen Darmerkrankungen, Stoffwechselstörungen, Übergewicht sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch im Bereich der Onkologie spielte das Mikrobiom zunehmend eine Rolle. Studien deuteten darauf hin, dass die bakterielle Zusammensetzung des Darms das Ansprechen auf bestimmte Immuntherapien beeinflussen kann.
Einen entscheidenden Einfluss auf die Darmgesundheit hat der Lebensstil. Insbesondere die Ernährung gilt als wichtigster modifizierbarer Faktor. Eine ballaststoffreiche, überwiegend pflanzenbasierte Kost mit Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und fermentierten Lebensmitteln förderte die Vielfalt der Darmbakterien. Stark verarbeitete Lebensmittel, ein hoher Zuckerkonsum, übermäßiger Alkoholkonsum sowie unnötige Antibiotikaeinnahmen können das Gleichgewicht im Darm hingegen stören. Auch regelmäßige Bewegung, ausreichender Schlaf und Stressreduktion tragen zur Stabilisierung des Mikrobioms bei.
Neben präventiven Maßnahmen ist es wichtig, mögliche Warnsignale ernst zu nehmen. Anhaltende Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, Blut im Stuhl, schwarzer Stuhl, unerklärlicher Gewichtsverlust oder wiederkehrende Bauchschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden. Als zentrale diagnostische Maßnahme gilt die Darmspiegelung, die sowohl der Früherkennung als auch der direkten Behandlung bestimmter Veränderungen dienen kann.
Die Forschung zum Mikrobiom entwickelt sich dynamisch weiter. Bereits heute wird die Stuhltransplantation bei bestimmten schweren bakteriellen Infektionen eingesetzt. Weitere therapeutische Ansätze mit gezielt eingesetzten Bakterienpräparaten befinden sich in der Entwicklung. Insgesamt zeichnet sich ab, dass das Verständnis für die Rolle des Darms in der Medizin in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird.
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