Neues Modellprojekt in der Pflege

Pressemitteilung

Neues Modellprojekt in der Pflege

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens informierte sich über neue Konzepte der Essener Universitätsmedizin zum Einsatz akademisch qualifizierter Pflegender

Bei einem Besuch am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) informierte sich NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens über ein neues Modellprojekt, das langfristig dazu beitragen soll, den Einsatz von akademisch qualifizierten Pflegenden (aqPfl) im pflegerischen Alltag zu untersuchen und Handlungsempfehlungen für alle Kliniken in Deutschland zu entwickeln. Ab dem 4. Juli 2016 werden dazu insgesamt sieben akademisch qualifizierte Beschäftigte zwei Jahre lang in der direkten Patientenversorgung eingesetzt. Sie sollen dazu beitragen, praktische Umsetzungsstrategien zu aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in der Patientenversorgung zu entwickeln. Geleitet wird das Projekt durch Pflegewissenschaftler aus dem UK Essen, unterstützt durch externe Partner.

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NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (2. v. l.) besuchte heute das UK Essen. Mit dabei: Thorsten Kaatze, Kaufm. Direktor, Irene Maier, Pflegedirektorin, Prof. Jochen A. Werner, Ärztl. Direktor

Die Menschen in Deutschland werden immer älter: Waren laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2005 nur rund 19 Prozent der Deutschen über 65, werden es im Jahr 2050 bereits über 30 Prozent sein – Tendenz weiter steigend. Das hat dramatische Folgen – auch für die Gesundheitsversorgung. Denn dann wollen immer mehr Patienten bedarfsgerecht behandelt werden, die nicht nur unter komplexen Krankheitsbildern leiden, sondern häufig auch dement und pflegebedürftig sind. In vielen Staaten ist die hochschulische Qualifikation in Gesundheitsfachberufen wie der Pflege bereits Standard, häufig ist der Anteil der akademisch qualifizierten Pflegepersonen in der direkten Versorgung sogar gesetzlich geregelt. Mit positiven Effekten: Ein höherer Anteil dieser Beschäftigten geht oft mit einer Zunahme von Patientensicherheit und Effektivität einher. Das wird auch in Deutschland immer häufiger erkannt. „Allerdings“, so betonte NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens, „hinkt ein Vergleich unterschiedlicher nationaler Gesundheitswesen immer. Wir haben in Deutschland eine sehr gute pflegerische Fachkraftausbildung. Pflegerische Fachkräfte sollen auch zukünftig eine wichtige Säule in der Versorgung darstellen. Die Fachkraftkompetenz muss aber durch die akademische Kompetenz ergänzt werden.“

Mit Hilfe des Modellprojektes soll jetzt ein Beitrag dazu geleistet werden, dass akademisch qualifizierte Pflegende zukünftig optimal in Deutschland in die pflegerische Praxis vor Ort eingebunden werden. „Dabei gilt, dass die akademisch qualifizierten Pflegenden kein Ersatz für die fachschulisch ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen sein sollen. Im Gegenteil: Nur durch das Zusammenwirken aller Beteiligten im therapeutischen Team – der Ärztinnen und Ärzte, der akademisch und der fachschulisch qualifizierten Pflegenden und aller weiteren Berufsgruppen – kann es gelingen, den größtmöglichen Nutzen für unsere Patientinnen und Patienten zu erreichen und gleichzeitig knappe Ressourcen effizient einzusetzen“, erklärt Irene Maier, Pflegedirektorin des UK Essen und Initiatorin des Projektes. „Es ist unser langfristiges Ziel, neue, zukunftsweisende Ansätze für multidisziplinäre Teams für die Pflege in unseren Kliniken zu entwickeln. Das in Kürze startende, 24-monatige Pilotprojekt auf der Modellstation H2 in der Klinik für Dermatologie soll dafür die Grundlage legen. Die pflegewissenschaftliche Leitung des Projekts, Christian Dahlmann und Kerstin Möcking aus der Pflegedirektion, steht nun vor der Aufgabe, einen möglichst großen Nutzen für Patientinnen und Patienten, deren Angehörige, die Zusammenarbeit der Berufe und die Prozesse in der Krankenversorgung zu erzielen“, so Irene Maier weiter.

Für NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens sind solche Initiativen wichtig, um die hohe Qualität der Pflege in deutschen Krankenhäusern langfristig zu sichern: „Gerade vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Bevölkerung ist es wichtig, optimal zusammengesetzte Teams aus Pflegefachkräften und hochschulisch ausgebildeten Pflegekräften zu haben. Entsprechend begrüße ich es, dass die Essener Universitätsmedizin ein Projekt mit Vorbildcharakter startet und den Einsatz von akademisch qualifizierten Pflegenden langfristig fördern will. Ich erhoffe mir hiervon Ergebnisse, die auch gut auf andere Bereiche übertragbar sind“, so Barbara Steffens.

In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Gesundheit (hsg) aus Bochum, dem Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen und weiteren Partnern wird zunächst eine Ist-Analyse durchgeführt. Der Fokus liegt dabei u. a. auf der Erwartungshaltung des bestehenden Teams zur Zusammenarbeit mit den akademisch qualifizierten Pflegenden. Die bisherigen Tätigkeiten und Rollen, auch in der Zusammenarbeit mit den anderen Berufsgruppen, werden betrachtet. Auf dieser Basis wird eine multidisziplinäre Projektgruppe unter Leitung von Pflegewissenschaftlern einen Rahmen zur Ausgestaltung der Tätigkeitsprofile und neuer Handlungsfelder entwickeln, die dann mit dem Team erprobt und gemeinsam mit den Projektpartnern in kurzen Zeitabständen von rund zwei bis drei Monaten evaluiert werden. „Kernfrage ist die Verknüpfung der Qualifikationen zu einem sinnvollen und effizienten Versorgungsprozess“, erläutert Irene Maier.

Die Ergebnisse des Modellprojektes sollen dann Mitte des Jahres 2018 präsentiert werden. „Wenn sich unsere Annahme bewahrheitet, dass sich die interdisziplinären Teams positiv auf die Qualität der Patientenversorgung auswirken, planen wir, die neu entwickelte Struktur in andere Kliniken auszuweiten. Unser langfristiges Ziel wäre dann, die Quote von akademisch qualifizierten Pflegenden im Universitätsklinikum insgesamt zu erhöhen“, gibt Pflegedirektorin Irene Maier einen ersten Ausblick auf den weiteren Projektverlauf. Fest steht: Zukünftig wird die Zahl der akademisch ausgebildeten Pflegepersonen steigen. Erkenntnisse aus Modellprojekten wie dem am UK Essen sind wichtig, um im Interesse der Patientinnen und Patienten, der Beschäftigten und des Gesundheitssystems Verbesserungen zu realisieren.

Pressekontakt:
Oliver Kirch
Leiter Stabsstelle Marketing und Kommunikation
Tel.: 0201/723-3564
oliver.kirch@uk-essen.de
www.uk-essen.de

Nähere Informationen:
Irene Maier
Pflegedirektorin
Tel.: 0201/723-2610
sekretariat.pflegedirektion@uk-essen.de
www.uk-essen.de

Über die Essener Universitätsmedizin
Die Essener Universitätsmedizin umfasst das Universitätsklinikum Essen (UK Essen) und seine Tochterunternehmen Ruhrlandklinik, St. Josef Krankenhaus, Herzzentrum Huttrop und Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen. Die Essener Universitätsmedizin ist mit ca. 1.700 Betten in mehr als 70 Gebäuden das führende Gesundheits-Kompetenzzentrum des Ruhrgebiets: Alleine im vergangenen Jahr (2015) behandelten unsere rund 7.900 Beschäftigten fast 70.000 stationäre Patientinnen und Patienten. Herausragende Schwerpunkte sind die Onkologie, die Transplantation sowie die Herz- und Gefäßmedizin: Mit dem Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ), einem der größten Tumorzentren Deutschlands, dem Westdeutschen Zentrum für Organtransplantation (WZO), ein international führendes Zentrum für Transplantation, in dem unsere Spezialisten mit Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Herz und Lunge alle lebenswichtigen Organe verpflanzen, und dem Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum (WHGZ), in dem wir jährlich mehr als 2.000 Operationen durchführen, hat die Essener Universitätsmedizin eine weit über die Region reichende Bedeutung für die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Wesentliche Grundlage für die klinische Leistungsfähigkeit ist die Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen mit ihrer klaren Schwerpunktsetzung in Onkologie, Transplantation, Herz-Gefäß-Medizin, sowie den übergreifenden Forschungsschwerpunkten Immunologie, Infektiologie und Genetik. Der 2014 bezogene Neubau des Lehr- und Lernzentrums bietet den Studierenden der Medizinischen Fakultät exzellente Ausbildungsmöglichkeiten.

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