Dem Schlag des Herzens auf der Spur…

Aus einem Gespräch zwischen Sherlock Holmes und Dr. Watson:

[Holmes] „Ich sehe Du praktizierst wieder…“
[Watson] „Woher weißt Du es denn?“
[Holmes] „Ich sehe es, ich folgere es eben. […] Das ist doch so einfach. […] Ich müsste doch wirklich schwachköpfig sein, wenn ich einen Herrn, der nach Jodoform riecht, auf dessen rechtem Finger ein schwarzer Fleck von Höllenstein prangt, während die Erhöhung seiner linken Brusttasche deutlich das Versteck seines Stethoskops verrät, nicht auf der Stelle für einen Arzt halten würde.“

Welcher heutige Leser würde dieser messerscharfen Analyse nicht bereitwillig zustimmen? Und doch ist es interessant zu sehen, dass bereits zur Zeit, in die Sir Arthur Conan Doyle Sherlock Holmes und Dr. Watson hineinentwirft, das Stethoskop zur selbstverständlichen Ausstattung des Arztes gehört. Die Romane spielen im späten 19. Jahrhundert und damit nur wenige Jahrzehnte nach der Erfindung des Stethoskops. 1816 „bastelte“ sich der französische Arzt René Laënnec das erste Stethoskop – und zwar aus Papier.

Die Idee entstand gewissermaßen aus der Not heraus, denn Laënnec behandelte eine Patientin, deren Übergewicht, das Erlauschen des Herzschlages mit „bloßem“ Ohr unmöglich machte. Der Papierzylinder hingegen löste das Problem erfolgreich und verschaffte seinem Erfinder den Ruhm, die medizinische Diagnostik revolutioniert zu haben. Laënnec selbst baute sich später ein „Hörrohr“ aus Holz und sicherte dem Stethoskop seinen Siegeszug in der Medizin endgültig zu.

Freilich unterschied sich die äußere Form damals noch sehr von der heutigen. Laënnecs Erfindung hatte mehr Ähnlichkeit mit einer hölzernen Zigarre – mit modernen Augen betrachtet.

Die Form des Stethoskops wandelte dann schnell. Schon Dr. Watson dürfte seine Patienten mit einem langen Rohr mit breitem Fuß untersucht haben, was auch erklären würde, warum Holmes es durch seine erhebliche Wölbung unter der Jacke aufgefallen sein mag.

Die Erfindung des Stethoskops jährt sich heute auf den Tag zum 235sten Mal und erinnert daran, was eine so simple Erfindung für Arzt und Patient ändern und ermöglichen kann.

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